Was dem Gründer nach dem Verkauf bleibt

Über Identität, Leere und die Chance auf einen Neuanfang.

Irgendwann ist die Transaktion abgeschlossen. Die Verträge sind unterschrieben. Das Geld ist auf dem Konto. Und dann kommt die Stille.

Viele Gründer, die ihr Unternehmen verkauft haben, beschreiben dieselbe Erfahrung. Die ersten Wochen sind noch gefüllt mit Abschlussgesprächen, Übergaben und letzten Aufgaben. Doch irgendwann endet auch das, und dann ist da nichts mehr.

Keine Verantwortung mehr. Keine Mitarbeitenden, die Fragen stellen. Keine Probleme, die gelöst werden müssen. Kein Ort, an den man morgens fahren muss.

Für viele ist das der schwierigste Teil des Verkaufs. Nicht der Preis, die Verhandlung oder der Abschied. Sondern das, was danach kommt.

Die Frage der Identität

Wer ein Unternehmen zwanzig, dreissig oder vierzig Jahre lang geführt hat, für den ist es nicht nur Arbeit. Es ist Identität. Es ist der Ort, an dem man gebraucht wird. Es ist der definitive Beweis dafür, dass man etwas kann, etwas geschaffen hat und einen Wert besitzt.

Wenn das verschwindet, entsteht Leere. Und mit ihr kommt eine Frage, mit der viele nicht gerechnet haben. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr der Chef bin?

Manche versuchen, diese Leere mit neuen Projekten zu füllen. Sie gründen ein weiteres Unternehmen, werden Berater oder investieren in Start-ups. Das kann funktionieren, aber es kann auch eine Flucht sein.

Andere ziehen sich zurück, geniessen ihre Freiheit, reisen und verbringen Zeit mit der Familie. Auch das kann hervorragend sein, doch irgendwann stellt sich die Frage, ob das wirklich genügt.

Die Frage nach dem Sinn

Die Frage nach dem Sinn geht noch tiefer als die Frage nach der Identität. Wofür war das alles? Was bleibt von dem, was ich aufgebaut habe? War es das wert?

Viele Unternehmer fürchten diese Frage. Sie verdrängen sie, halten sich mit neuen Projekten beschäftigt und lassen keine Stille zu. Doch die Frage kehrt immer wieder zurück und verlangt irgendwann nach einer Antwort.

Die Antwort ist für jeden anders. Für den einen Gründer ist es das Wissen, Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Für einen anderen die Gewissheit, dass das Unternehmen ohne ihn weiterbesteht. Für einen dritten ist es die völlige Freiheit, jetzt etwas ganz anderes zu tun.

Keine dieser Antworten ist falsch. Sie zu finden braucht jedoch Zeit und die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Die Chance

Der Verkauf eines Unternehmens ist nicht nur ein Ende. Er ist auch ein Anfang und eine Chance für etwas Neues. Eine Gelegenheit für Dinge, die man vielleicht schon immer tun wollte, aber nie verfolgen konnte, weil das Unternehmen alles beanspruchte.

Eine Stiftung gründen, ein Buch schreiben oder sich gesellschaftlich engagieren. Mehr Zeit mit der Familie, mit Freunden und mit sich selbst verbringen. Oder einfach eine Weile nichts tun und spüren, was als Nächstes kommt.

Manche Unternehmer erleben nach dem Verkauf die erfüllendste Zeit ihres Lebens. Nicht trotz des Endes, sondern wegen des Neuanfangs. Andere verlieren völlig die Orientierung, weil sie sich nie gefragt haben, was danach kommt.

Was bleibt

Was bleibt nach dem Verkauf vom Unternehmen? Das finanzielle Kapital natürlich, doch das ist selten das Wichtigste. Es bleibt die Erinnerung an das, was man geschaffen hat. Es bleibt das Wissen, dass es in anderen Händen und mit anderen Ideen weitergeführt wird und dennoch die DNA trägt, die man selbst geprägt hat. Es bleibt auch die Freiheit, etwas Neues zu beginnen oder einfach zu sein. Ohne Druck, ohne Verantwortung und ohne die ständige Frage, was noch erledigt werden muss.

Wer sich frühzeitig mit diesen Gedanken beschäftigt, hat die besten Chancen, dass sich der Verkauf nicht wie ein Absturz anfühlt, sondern wie der Aufbruch in eine neue und erfüllende Phase.

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