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Sind Banken in der Krise Partner oder Gegner?

Geschrieben von Dr. Felix Tschopp | Aug 20, 2026, 9:56:11 AM

Wie offene Kommunikation und klare Pläne schwierige Situationen entschärfen.

Wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, ist die Bank der letzte Ort, an dem man Überraschungen gebrauchen kann. Und doch geschieht genau das immer wieder.

Die Zahlen verschlechtern sich und die Liquidität wird knapp. Der Unternehmer hofft auf Besserung, schiebt das Gespräch mit der Bank hinaus und beschönigt vielleicht sogar die eine oder andere Kennzahl. Das geht so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann ist das Vertrauen oft bereits zerstört, bevor das erste Wort gesprochen wird.

In schwierigen Phasen entscheidet der Umgang eines Unternehmens mit seiner Bank oft stärker über Erfolg oder Misserfolg als die nackten Zahlen.

Die Versuchung zu schweigen

Meist beginnt es harmlos. Eine Kennzahl fällt etwas schlechter aus als erwartet, ein Projekt verzögert sich oder eine Investition wird teurer als geplant. Der Unternehmer hält es für nicht weiter dramatisch und geht davon aus, dass er den Rückstand im nächsten Quartal wieder aufholen wird.

Doch je mehr sich die Abweichungen summieren, desto grösser wird die Versuchung zu schweigen oder die Situation besser darzustellen, als sie tatsächlich ist. Das geschieht nicht aus böser Absicht, sondern aus der Hoffnung, dass sich die Dinge bald von selbst lösen werden.

Das ist menschlich verständlich, aber es ist der grösste Fehler, den man machen kann. Wenn die Bank später die Wahrheit erfährt, und das wird sie, ist das Vertrauen weg. Ohne Vertrauen wird jede Verhandlung schwierig.

Was Banken tatsächlich wollen

Banken sind weder Gegner noch Freunde. Sie sind Partner mit eigenen Interessen. Sie wollen ihr Kapital zurück und wenn möglich etwas mehr. Sie wollen die Gewissheit, dass dies geschehen wird.

Was Banken nicht wollen, sind Überraschungen. Mit schlechten Nachrichten können sie umgehen, wenn sie rechtzeitig kommen. Sie können eine Krise gemeinsam mit dem Unternehmen bewältigen, wenn sie einbezogen werden. Sie können helfen, wenn sie verstehen, was geschieht.

Was sie nicht können, ist vertrauen, wenn sie belogen wurden. Sie werden kein Kapital bereitstellen, wenn sie das Gefühl haben, dass die Situation ausser Kontrolle geraten ist, und sie werden nicht akzeptieren, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Die Kunst der offenen Kommunikation

Unternehmer, die schwierige Phasen erfolgreich bewältigt haben, zeigen ein klares Muster. Sie suchten frühzeitig das Gespräch mit der Bank, kommunizierten offen über die Situation und legten realistische Pläne vor, wie sie die Krise bewältigen wollten.

Sie vermieden zudem einen entscheidenden Fehler. Sie versprachen nie etwas, das sie nicht halten konnten. Sie nannten keine falschen Zahlen und setzten keine unrealistischen Fristen.

Dieser Ansatz schuf Vertrauen und damit operativen Handlungsspielraum. Die Bank ging mit, wo sie sich hätte zurückziehen können, und half, wo sie die Vereinbarung hätte beenden können. Nicht aus Wohltätigkeit, sondern weil sie genau wusste, woran sie war.

Was bleibt

Eine Krise ist kein Grund zu schweigen. Sie ist ein Grund zu reden. Je früher, offener und klarer, desto besser.

Wer dies beherzigt, erhöht nicht nur seine Chancen, die Krise zu überstehen. Er schafft auch eine bessere Ausgangslage für die Zeit danach, denn Banken vergessen nicht, wer sie in schwierigen Zeiten fair behandelt hat.

Eine Frage an Sie

Wie offen kommunizieren Sie mit Ihrer Bank, auch wenn es unangenehm wird?