Insights

Wann ein externer CEO die richtige Wahl ist

Geschrieben von Dr. Felix Tschopp | Aug 20, 2026, 9:44:00 AM

Warum eine externe Führung erfolgreich sein kann, wenn die familieninterne Nachfolge ins Stocken gerät.

Manche Situationen bleiben in Erinnerung. Ein Beispiel ist ein mittelgrosses Industrieunternehmen in der Schweiz. Drei Kinder, alle im Unternehmen tätig. Der Vater, weit über siebzig, noch immer stark in das Tagesgeschäft eingebunden. Die Mutter, ständig damit beschäftigt, zwischen den Fronten zu vermitteln. Und eine Nachfolge, die einfach nicht vorankam, weil keines der Kinder wirklich übernehmen wollte, aber auch keines gehen konnte.

Das Unternehmen war gefangen. Gefangen in der Familie. In Erwartungen. In einem Schweigen, das alle lähmte.

Schliesslich fiel nach langen Gesprächen die Entscheidung, einen externen CEO einzusetzen. Jemanden von ausserhalb der Familie, ohne gemeinsame Vergangenheit und ohne emotionale Altlasten.

Heute läuft das Unternehmen besser denn je. Die Kinder sitzen im Verwaltungsrat, der Vater im Beirat. Und die Familie kann endlich wieder Weihnachten feiern, ohne über Bilanzen zu sprechen.

Wenn die Familie nicht kann oder nicht will

Der Glaube, dass eine familieninterne Nachfolge immer die beste Lösung ist, sitzt tief. Das ist verständlich und oft auch richtig. Aber nicht immer.

  • Wenn die Familie nicht will: Die Kinder haben ihre eigenen Wege eingeschlagen, ihre eigenen Träume und ihre eigenen Karrieren. Sie wollen nicht in die Fussstapfen ihrer Eltern treten, auch wenn sie es aus reiner Loyalität vielleicht in Betracht ziehen würden.
  • Wenn die Familie nicht kann: Manche sind zu jung, andere zu alt und wieder andere stecken in tiefgreifenden Konflikten. Es gibt keine klare Führung, keine gemeinsame Vision und keine tragfähige Lösung.
  • Wenn es schlicht der falsche Weg ist: Die Familie ins Unternehmen zu holen, kann nach hinten losgehen, wenn die internen Dynamiken dies nicht zulassen. Rollen verschwimmen. Aus Liebe wird Verpflichtung und aus Verpflichtung schnell Frustration.

In all diesen Fällen ist der Blick nach aussen kein Zeichen von Schwäche. Er ist ein Zeichen von Weitsicht.

Was ein externer CEO mitbringt

Ein externer Nachfolger besitzt etwas, das Familienmitglieder selten haben. Distanz. Er kennt die gemeinsame Geschichte, die alten Konflikte und die unausgesprochenen Erwartungen nicht. Er kann führen, ohne von der Vergangenheit belastet zu sein.

Er bringt neue Perspektiven, neue Netzwerke und andere Erfahrungen mit. Er stellt andere Fragen, denkt anders und entscheidet anders. Das kann ein Unternehmen neu beleben, insbesondere wenn es sehr lange ausschliesslich von einer einzigen Person geprägt wurde.

Eine externe Lösung bringt aber auch Risiken mit sich. Der neue CEO kennt weder die Unternehmenskultur noch die Kunden oder die ungeschriebenen Regeln. Er muss sich einarbeiten, Vertrauen aufbauen und sich beweisen. Das braucht Zeit und Geduld von allen Beteiligten.

Die erfolgreichsten Übergaben an externe CEOs gelingen, wenn beide Seiten realistisch bleiben. Die Familie weiss, dass sie sich zurückziehen und loslassen muss. Die neue Führung weiss, dass sie sich auf das Bestehende einlassen muss. Und beide verstehen, dass es eine geordnete Übergangsphase braucht, in der nicht sofort alles perfekt funktioniert.

Die Kunst der Trennung

Ein externer CEO ist kein einfacher Ausweg. Es ist eine grundlegend andere Lösung.

Die Familie muss ihre Rolle vollständig neu definieren. Nicht mehr operativ, sondern strategisch. Nicht mehr im Tagesgeschäft, sondern im Verwaltungsrat. Nicht mehr als tägliche Entscheidungsträger, sondern als unterstützende Begleiter.

Für viele Gründer ist das ausserordentlich schwierig. Sie haben ihr ganzes Leben geführt und sollen plötzlich nur noch beobachten. Sie müssen vertrauen, ohne zu kontrollieren. Sie müssen loslassen, ohne gleichgültig zu werden.

Wenn das gelingt, entsteht etwas Neues. Das Unternehmen wird unabhängiger. Die Familie gewinnt Freiheit. Und beide Seiten können sich endlich auf das konzentrieren, was sie am besten können.

Was bleibt

Eine externe Nachfolge ist kein Eingeständnis des Scheiterns. Sie ist eine klare strategische Entscheidung, die das Unternehmen erheblich stärken kann, wenn sie sorgfältig vorbereitet wird. Für Eigentümer, die vor dieser Entscheidung stehen, gibt es keine einfache Antwort.

Entscheidend ist die Frage, was das Unternehmen braucht und was die Familie braucht. Manchmal ist die beste Lösung, beides voneinander zu trennen.

Eine Frage an Sie

Wäre ein externer CEO für Ihr Unternehmen eine Chance oder ein Risiko?